Rekonstruktion der Orgel von St. Quirico

Am 9. und 10. November2018 wurde unsere Kopie der auf einer Intarsie abgebildeten Orgel festlich eingeweiht.

Catalina Vicens, die die Orgel in Zukunft spielen wird, hat zusammen mit Jankees Braaksma das Einweihungskonzert gespielt.

Die Orgelbauer Ingrid Noack-Kirschner und Winold van der Putten haben die Bälge bedient.

Auch Bianca de Goes und Iskander Breebart aus Amsterdam, die die Einlegearbeiten ausgeführt haben, waren dabei.

Vorbild für diese Orgel ist eine Intarsientafel, die 1485 durch einen sehr fachkundigen Künstler mit dem Namen  Antonio Barili hergestellt wurde (1453-1516). Für den Dom von Siena hat er 12 Tafeln für die Johannes der Täufer Kapelle hergestellt, unter denen diese: „Tarsia con organo e figura in ascolto“ sich befindet. Heute sind die Tafeln in der Kirche von St. Quirico ausgestellt.

Ein sehr musikinteressiertes niederländisches Ehepaar beauftragte uns mit dieser Arbeit, da wir viel Erfahrung mit dieser Art der Rekonstruktion von Instrumenten haben. Ihnen war sehr wichtig, dass alle Arbeiten so historisch präzise wie möglich ausgeführt werden, schließlich ist das Instrument für die wissenschaftlich arbeitende Organistin und Cembalistin Catalina Vicens aus Basel bestimmt. Als Sachverständiger stand uns Jankees Braaksma zur Seite, zusätzlich beriet uns Liuwe Tamminga aus Bolgna.

Liuwe Tamminga hat Hinweise für die Hypothese gefunden, dass das abgebildete Instrument von Laurenzo da Prato hergestellt wurde, dem Orgelbauer, der auch die berühmte Orgel in Bologna  San Petronio 1471 bis 1475 gebaut hat.

Stylistisch fällt dieses Instrument dadurch auf, dass die äußere Form noch gotisch ist, aber die Ornamentik der Verzierungen schon der Renaissance angehört. Das gilt vor allem für die Verzierungen über und unter der Klaviatur. An der kurzen Seite sind zwei Wappen angebracht, das Obere ist das Wappen von Siena, das untere Wappen gehört zum Auftraggeber Alberto Aringheri.

Wer Vorbild und ausgeführte Orgel vergleicht wird feststellen, dass in unseren Nachbau ein anderes Wappen ziert: unsere heutigen Auftraggeber haben eine Wildtulpe für das Wappen gewählt.

An der Seite sind 5 Registerschleifen sichtbar. Unsere Interpretation dieser Schleifen ist Folgende:

die vorderste und hinterste Schleife bedient den „Principale“, dieser ist nicht doppelt disponiert sondern abwechselnd aufgestellt; f steht vorne, g hinten, a vorne, b hinten usw.

Die mittlere, breitere Schleife bedinet das „Ripieno“, eine Art Mixtur mit der Zusammenstellung:

f 2 2/3 2
c“ 2 2/3 2 2
f“ 2 2/3 2 2/3 2 2
c“‘ 2 2/3 2 2/3 4 4

Die kleinen Pfeifen sind auf der Abbildung gut zu sehen, die Zusammenstellung ist unsere Interpretation. Bei gotischen Dispositionen ist es gebräuchlich, Stimmen zu verdoppeln sobald der Platz vorhanden ist. Dadurch nimmt die Intesität des Klanges zu, nicht aber die Lautstärke

Die zweite Schleife von hinten bedient eine sehr enge Ottava.

Die zweite Schleife von vorne bedient auf besonderen Wunsch von Catalina Vicens eine kurzbecheriges Regal, das wir in Anlehnung an die das Instrument von Klotz aus dem Germanischen Nationalmuseum aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hergestellt haben. Diese kleinen Messingbecher hängen vorne unter der Windlade und können nach dem Herausnehmen des Vorsatzbretts gestimmt werden.

Die schwarzen Tasten rechts und links vom Klavier konnten wir uns erst nicht erklären. Liuwe Tamminga hat uns erläutert, dass diese Art Tasten für extra Klangeffekte benutzt wurden. Links klingt jetzt eine Nachtigall “Rossingole”mit zwei Pfeifen und rechts eine Grille “Grilli”.

Der Klaviaturumfang ist: fº, gº, aº, bº, hº, c¹, cis¹ und dann chromatisch bis f³.

Die Stimmung ist mitteltönig

Tonhöhe ist 465 Hz

Der Winddruck beträgt 37mm Ws

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